Heimat Holz

Heimat. Ein Wort, das so vieles meint.

Früher war Heimat das Dorf, das Haus, die Familie, Freunde und der volle Kühlschrank. Ein sonniger, fröhlicher Ort in einem unbeschwerten Herz.

Was ist Heimat heute, in dieser Welt, in der so viele rastlos umher streifen, auf der Suche nach sich selbst, nach Glück und Erfolg? Ganz sicher muss diese Frage jeder für sich beantworten. Heimat ist veränderlich und wächst von Jahr zu Jahr, wie die Jahresringe eines Baumes. Ich bin froh, dass ich meine Antwort darauf gefunden habe. Heimat ist ein gigantisches Gefühl, das alle anderen in sich vereint. Heimat ist Weggehen und Wiederkommen.

Heimat ist das Holz, aus dem wir geschnitzt sind.

Für mich ist Heimat Tradition, Erinnerung und ein bunter Mix aus mehr und weniger aufregenden Gefühlen. Sie ist Vergangenheit und Zukunft. Sie ist immer noch das Dorf, in dem ich nicht mehr wohne, das Haus, das ich vermisse, die Familie, die immer da ist, alte Freundschaften und inzwischen zwei volle Kühlschränke. Mamas und meiner. Die Heimat ist wie eine Pflanze, die mitwächst und das Leben zusammenhält. Die ältesten Zweige haben mich geprägt und begleiten mich seit immer. Sie sind die Wurzeln aus hellen Sommertagen, gemütlichen Winterstunden, lauten und leisen Liedern und dem Geräusch einer Heckenschere am Samstagmorgen.  Manchmal ist es ein Gesicht, der Geschmack von Omas Apfelkuchen, das vertraute Knarren einer Treppe.

Mit der Zeit kommen frische Zweige dazu. Ein Lieblingsmensch, ein neues Heim, der Garten, neue Freunde, neue Gerüche, neue Geräusche. Da ist das Rascheln von Schilf, die Tatort-Titelmelodie am Sonntag Abend, ein anderes Waschmittel, eine noch größere Familie und das Licht im Fenster gegenüber. Die Liste ist unendlich lang und ich finde jeder sollte eine haben.

Gestern war Heimat ein Dorffest mit alten und neuen Freunden, heute war sie Familie mit Reisfladen und eine Fahrt auf der Bobbahn durch bunten Herbstwald. In einem kurzen Moment war Heimat das brennende Streichholz, das nach Omas Kamin roch. Und morgen wird es die Herbstsonne auf seinem Gesicht sein, wenn wir uns wieder sehen.