Karneval

Ach, Karneval.

Ach Karneval. Jedes Jahr aufs Neue frage ich mich, was ich davon halte. Ich stehe nicht auf Menschenmassen, finde betrunkene Leute zunehmend unlustig, und ja, sogar ein bisschen eklig. Schunkeln ist auch nicht so meins, schief im Takt klatschen auch nicht. Jedes Jahr nehme ich mir vor die jecken Tage auf einer sonnigen Südseeinsel auszusitzen – jedes Jahr scheitert dieser Plan.

Wieder einmal regnet es in Strömen, es peitscht ein fieser Wind, es ist kalt und die Grippewelle rollt übers Land. Morgen Mittag werde ich mit den Mädels in Strumpfhose bibbernd in der Schlange stehen und darauf warten in den übervollen Partyraum zu stürmen. Wir werden lachen, feiern, tanzen, nach Hause torkeln und uns im Sommer noch Geschichten aus diesen Tagen erzählen. Bierduschen und verstopfte Toiletten längst verdrängt. Mer stonn zesamme.

Und genau darum geht es. Zusammen sein und jenseits der Alltagssorgen ein paar Tage unbeschwert feiern. Als wäre es selbstverständlich finden sich seit Jahren dieselben Menschen an den selben Tagen an den selben Orten ein. Das braucht man nicht zu planen – wie schön! Tatsächlich sind es die Freunde, auf die ich mich freue. Auf einen Altweiberdonnerstag unter verrückten Mädels, einen schönen (sonnigen) Sonntagszug im Dorf und einen strahlenden Rosenmontag daheim, mit den Heimatmenschen und der ersten Pommes mit Rahmsauce seit dem Erntedankfest im Oktober. Dieser Karneval ist eine Tradition, die uns alle wieder zusammen bringt.

Und ich weiß, ich werde morgen früh keine Lust darauf haben. Und ich weiß, ich werde Rosenmontag am Abend nach Hause fahren, mit Blasen an den Füßen und einem Lächeln im Gesicht.

Hat wieder nicht geklappt, das mit der Südseeinsel. Vielleicht nächstes Jahr.