Eifelsteig April 2107

Auf dem Eifelsteig mit Ronja und Birk.

Es ist der 18. April, Osterferien, eigentlich schon Frühling. Entgegen aller Ratschläge und besorgten Blicke auf den Wetterbericht sind wir drei Wandermädels auf dem Weg nach Hillesheim und blicken voller Motivation unserem zweiten Eifelsteig-Abenteuer entgegen. Früh in Aachen aufgebrochen, parken wir schon um 9 Uhr in Hillesheim und laufen los. Es schneit! 

Doch so leicht lassen wir uns nicht abschrecken. Etappe 9 wartet und so haben sich schon nach wenigen Minuten die Schneeflocken verzogen und Platz gemacht für ein paar Sonnenstrahlen. Vorbei Am Sportplatz geht es über Feldwege, die von grünen Wiesen und blühenden Bäumen gesäumt sind. Der Frühling wartet in jeder Knospe. Unten in der Stadt sind die meisten Bäume schon grün, doch hier in der Eifel, 500 Meter weiter oben, ist die Natur noch nicht so weit.

Wir wandern bei plötzlich sonnigstem Wetter durch das Bolsdorfer Tälchen mit seinen Kalksteinfelsen und dem Hillesheimer Bach. Es geht hinauf und hinab, durch Wälder, Hohlwege und auf offenen Hochflächen, auf denen sich das Auge an Weitblick erfreut. Früher als gedacht, erblicken wir unser Etappenziel Gerolstein – merkwürdig, dass es noch so weit sein soll. Auf einer Bank tanken wir noch einmal Kraft und essen den inzwischen obligatorischen Couscous-Salat. Am Horizont brauen sie ein paar dunkle Wolken zusammen. Dass uns der Eifelsteig hier mal wieder einen Streich spielt, ahnen wir noch nicht. Es geht weiter, hinab an den Ortsrand von Gerolstein und ohne es zu wissen, laufen wir knapp an unserer Unterkunft vorbei und beginnen den Schildern folgend den Aufstieg zu den Gerolsteiner Dolomiten. Der Weg ist steil und steinig, aber abwechslungsreich. Ein bisschen gemein allerdings mit bereits 15 Kilometern in den Knochen. Wir kraxeln und wandern auf dem Kamm der Felsformation und betrachten Gerolstein von allen Seiten, bis wir schließlich wieder absteigen und von der anderen Seite das Städtchen betreten. Die dunklen Wolken sind inzwischen angekommen und drohen damit uns kurz vor dem Ziel zu durchnässsen. Doch wir schaffen es so gerade noch zu unserer Pension, in der uns der alte Hausherr unser Zimmer zeigt. Einfach, aber wunderbar für drei erschöpfte Wanderer. Ein Restaurant ist zum Glück gleich um die Ecke, sodass uns nach einer kurzen Verschnaufpause nur ein paar Meter von einem fantastischen Gyrosteller beim Griechen um die Ecke trennen. Wie auf Kommando beginnen unsere Köpfe zu leuchten nachdem wir das Essen und unser Bierchen verputzt haben. Vor der Tür peitscht inzwischen der Regen und so flitzen wir schnell wieder rüber zur Pension, wo eine warme Dusche und drei gemütliche Betten auf uns warten. Unser Tag endet wie gewohnt früh.

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

 

Der nächste Morgen zeigt sich wieder frostig. Doch ein liebevoll angerichtetes Frühstück lässt uns gut in den Tag starten. Wir verlassen Gerolstein in Richtung der Ruine Löwenberg und werden gleich von einem kräftigen Anstieg überrascht. Insgesamt 200 Höhenmeter legten wir vom Kylltal bis zum Aussichtsturm Dietzenley zurück. Dort konnte ich auch endlich meine Zähne putzen, denn wie sich am Vorabend herausgestellt hatte, war meine Zahnbürste in Aachen geblieben und so hatte ich mir erst am Morgen eine in der Gerolsteiner Fußgängerzone gekauft. Naja, mit endlich geputzten Zähnen kletterten wir den Turm rauf und genossen das Panorama. Der eisige Wind ließ uns aber schnell wieder absteigen und trieb uns weiter in den Wald. Immer wieder studierten wir die Karte und das Höhenprofil, denn da schien uns noch einiges bevorzustehen. Das leichte Auf und Ab der nächsten Kilometer konnte nur die Ruhe vor dem Sturm sein. Im Tal der Kleinen Kyll angelangt sahen wir den Berg und hofften insgeheim, dass wir nicht bis ganz oben gehen müssten. Doch der Eifelsteig lässt sich nicht lumpen. Zunächst gibt er uns die Möglichkeit den Berg halb zu umrunden, sodass wir das nahende Übel auch wirklich eingehend betrachten können. Schließlich beginnt der Anstieg recht gemächlich, doch bald geht es auf einem Pfad „recht steil“ bergan. Diese Formulierung ist untertrieben. Fast auf allen Vieren kämpften wir uns Meter für Meter voran. Der Nerother Kopf – so heißt das Ungetüm – ist bisher definitiv der steilste Anstieg und die größte Herausforderung. Stehen bleiben ist nicht drin. So krochen wir auch das letzte, noch steilere Stück hinauf und ließen uns, oben angekommen verschwitzt auf die Bänke fallen. Zeit einen beachtlichen Teil des Proviants zu vernichten! Mit beruhigtem Puls betrachten wir die alte Burgruine auf dem Gipfeln und marschieren schließlich weiter bis sich irgendwann der Ort Neunkirchen vor uns erstreckt. Dort soll auch unsere Unterkunft für heute liegen. Die Neunkirchener Mühle befindet sich zwar direkt am Eifelsteig, allerdings ein ganzes Stück vor dem eigentlichen Etappenziel Daun. An diesem Tag ist das nicht so wild, wir kehren einfach schon am Nachmittag ein und die Gastgeberin bringt und Bier und später drei verdiente Rumpsteaks. Gut, dass keine von uns Vegetarierin ist, denn das ist in der Eifel noch nicht so angekommen. Nach dem Essen versuchen wir uns mit einer TV-Doku wach zu halten, aber zumindest zwei Augenpaare halten dem Flimmern nicht wirklich lange stand. Und die dritte im Bunde schafft es auch nicht mehr viel länger.

 

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

 

 

Die 11. Etappe verlängert sich für uns um die gestern gesparten 2 Kilometer. Daher geht es wieder früh runter zum Frühstück. Die Wiesen um die Mühle sind gefroren und irgendwie scheint der Frühling hier noch weit entfernt zu sein. Heute scheinen wir gleich mit der Albern-Phase in den Tag zu starten. Nachdem ein anständiges Startfoto leider nicht möglich ist, da die Sonne einfach zu tief steht und unfassbar blendet, geht es durch einen Birkenwald auf Daun zu. Waren es im letzten Jahr noch Pippi und Annika, sind es auf dieser Tour übrigens Ronja und Birk, die uns begleiten. Ob es an den vielen Birken liegt oder daran, dass so viel Bewegung und frische Luft irgendwie das Hirn vernebelt… ich weiß es nicht. Wir haben jedenfalls Spaß mit den beiden. Und zu allem idyllischen Überfluss hüpft beim Abstieg nach Daun auch noch ein Reh über den Weg.

Nach einer Weile haben wir irgendwie das Gefühl Daun verpasst zu haben. Möglicherweise wurde der Weg hier umgelegt und unser Buch ist nicht auf dem neusten Stand. Jedenfalls passieren wir nach dem Dauner Kurpark im Liesertal schon bald das Ortsschild. Es geht bergan zum Gemündener Maar. Wir sind also wirklich in der Vulkaneifel angekommen. Das erste der drei Maare, die wir auf dieser Etappe passieren werden, liegt still und ruhig da. Fast ein bisschen gespenstig mit dem leeren Freibad auf der anderen Seite. Es geht direkt weiter, hinauf auf den Mäuseberg. Der Weg ist tatsächlich steil, doch der Nerother Kopf am Vortag hat uns stark gemacht. Oben erwartet uns eine Wisenfläche und der Dronketurm, von dessen Spitze aus man einen herrlichen Blick hat. Durch Gatter und eine Eselherde geht es weiter über die Wiese zum Weinfelder Maar, das wir komplett umrunden um dann zum Schalkenmehrener Maar zu gelangen. Auf einem schmalen Pfad geht es vorbei an blühenden Kirschbäumen in die kleine Ortschaft Schalkenmehren. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Bei so viel Idylle bleiben natürlich auch Touristen nicht aus. Restaurants, Cafés und Hotels säumen die kleinen Sträßchen. Nach so viel Zivilisation sind wir froh, dass für den weiteren Verlauf der Etappe weder Orte noch Straßen vorgesehen sind. Unsere sonnenverwöhnten Gesichter dürfen sich im Schatten der Wälder ein bisschen erholen, bis der Weg uns schließlich ins fast maigrüne Liesertal führt, wo wir vor einem Jahr unsere allererste Etappe begonnen haben. An einem Fischweiher kommen uns sonnige Bänke sehr gelegen und wir vertilgen die letzten Vorräte und halten wiederum unsere Nasen in die Frühlingssonne. Dass die Haut langsam ein bisschen spannt, merkt hier noch keine von uns.

 

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Eifelsteig April 2107

Weiter geht es dann auf dem schmalen Lieserpfad, der sich an die bewaldeten Hänge schmiegt und in Serpentinen nach Manderscheid führt. Inzwischen werden unsere Knochen doch ein bisschen müde und so ist die Freude groß, als hinter einer Biegung endlich die Manderscheider Burgen auftauchen. Wir haben es fast geschafft. In Manderscheid gibt es noch ein Belohnunsradler bevor wir dann in das vorbestellte Taxi steigen, das uns zurück zum Auto nach Hillesheim bringt. Bus und Bahn sind diesmal keine Option, da die Verbindung eher schlecht ist. Kaum haben wir die Autotüren zugeschlagen beginnt mein Gesicht zu glühen. Nach und nach wird uns klar, dass zu dem üblichen frischtluftrot wohl doch ein Sonnenbrand dazugekommen ist. Wer hätte das gedacht – wo es doch vor zwei Tagen noch geschneit hat. Die Leute daheim werden sich wundern, hatten sie uns doch alle für verrückt erklärt. Doch auch unser zweites Wanderabenteuer endete mit einem zufriedenen Lächeln in drei Gesichtern.