Rezept aus Kindertagen

Blaubeerzeit

Es gibt diese Gerüche, die irgendwo in unserem Hirn verankert sind und ganz plötzlich wieder auftauchen. So ging es mir gerade, als ich meinem ersten Blaubeerkuchen im Ofen beim Backen zusah. Jetzt sehe ich meine Oma mit dem Kopf schütteln. „Mei Kind, des is Hoiba Datsch!“ – „Räuberpratsch?!“

Hoiba sind Wald- oder Blaubeeren, was Datsch ist weiß ich nicht genau. Beides zusammen ist jedenfalls lecker: Ein Blaubeerkuchen, der seinen Ursprung in Bayern hat. Da, wo meine Oma herkommt. Nicht die Gartenoma, die andere. Die Oma, an die ich heute so viel denken muss. Weil sie für so viele Gaumenschmäuse verantwortlich ist, die meine kindliche Schnute so genossen hat. Jetzt ist es an der Zeit, den Geschmack all dieser Nachmittage an ihrem Küchentisch endlich wiederzubeleben! Ach, Oma.

Jetzt im August ist Blaubeerzeit. Letztes Wochenende haben wir also im Heimatwald ein paar Blaubeeren von den Sträuchern stibitzt. Das ist ganz schön mühsam, denn sie hängen einzeln und versteckt unter den schmalen grünen Blättchen. Nach einer guten Stunde war das Sieb fast voll, das sollte genügen. Zeit, sich auf einen bemoosten Baumstamm zu hocken und dem Rauschen der Baumwipfel zu lauschen. Mein Puls fährt runter. Und dann kriecht langsam diese absolute Stille durch den Körper und schaltet all die lauten Kopfgeräusche endlich aus. Ach, Wald.

Waldbeeren
Waldbeeren
Wunderbarer Waldboden
Waldboden

Und jetzt sitze ich hier. Vor dem Backofen. Und kann es kaum erwarten. Es riecht genau so, wie es riechen muss. Es sieht auch so aus. Aber wars nicht doch zu viel Butter?

Mein Kuchen schmeckt nach Kindheit und Waldabenteuer und Stunden mit Oma. Also genau richtig. Ich muss noch ein Stück essen. Vielleicht wird mir dann schlecht. Egal.

Rezept aus Kindertagen
Fertig gebacken!
Rezept aus Kindertagen
Nach dem Backen mit Zucker bestreuen.

Für alle Feinschmecker unter euch, hier das Rezept:

300 g Mehl
5 Eier
250 ml Milch
1 Prise Salz
500g Waldbeeren
75g Butter (je nach Größe der Form)
Zucker und Puderzucker zum Bestreuen

Zunächst die Eier trennen – aus dem Eiweiß Eischnee schlagen. Eigelb, Milch, Mehl und Salz zu einem dickeren Pfannkuchenteig verarbeiten. Die Butter in der Backform erhitzen und anschließend in der ganzen Form verteilen.
Den Eischnee unter den Teig heben und dann in die Backform füllen. Die gewaschenen Waldbeeren werden dann auf den Teig gelegt und sinken langsam ein. Nun dürft ihr dem Kuchen 30-40 Minuten beim Backen (180°) zuschauen. Wenn der Rand oben schön braun und knusprig aussieht, ist der Räuberpratsch fast fertig. Nach dem Backen bestreut man den Kuchen direkt mit Zucker. Ich habe dazu Puderzucker und normalen Zucker gemischt.
Die Zitronenmelisse war eigentlich nur Deko fürs Foto – hat aber auch sehr gut dazu geschmeckt.

Eure Küche riecht nun nach einem warmen Spätsommertag. Genießt den Kuchen, wenn er noch warm ist! An Guadn!

Mama sagt: Am nächsten Tag kann man den Hoiba Datsch ohne Qualitätsverlust einfach nochmal im Ofen erwärmen.

2 thoughts on “Blaubeerzeit

  1. Liebe Marie,
    vielen Dank für deinen schönen Bericht, der mich auch ohne Backen in meine Kindheit zurück versetzt hat. Auch wenn ich den Kuchen damals nicht mochte, er gehörte einfach dazu.
    Liebe Grüsse
    Beate

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