Juni Eifelsteig 2018

Eifelsteig, ist das dein Ernst?

Von Umwegen und Drumherumgehen 

Osterzeit ist Wanderzeit. Zwei Jahre ist es her, dass wir unser Eifelsteig Abenteuer begonnen haben. Seit dem sind die Tage nach Ostern fest eingeplant – für frische Luft, ausgiebige Gespräche und viele Kilometer zu Fuß. Für das einfache Leben. Aufstehen, Laufen, Essen, Schlafen. Diese erholsame Wirkung einer Wanderauszeit möchte ich nicht mehr missen. Inzwischen sind wir bei den Etappen durch unsere schöne Heimat angekommen. 

Juni Eifelsteig 2018

Nachdem wir uns im letzten Herbst entschieden hatten die Etappen 6 bis 8 zu bestreiten, waren nun Nummer 3, 4 und 5 an der Reihe. Wie jedes Mal, sah der Wetterbericht auch in diesem Jahr nicht besonders vielversprechend aus, doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Bestens ausgerüstet und motiviert starteten wir also an einem kühlen, windigen Morgen Anfang April in unserem schönen Heimatstädtchen Monschau. Voller Vorfreude und fröhlich schnatternd bemerkten wir dann recht schnell, dass wir im Begriff waren in die falsche Richtung zu starten. Es ist doch irgendwie anders, wenn man sich plötzlich auskennt. Schon wird man nachlässig beim Schilderlesen. Nachdem wir die Kurve so gerade nochmal gekratzt hatten und einige Marktplatz-Selfies später begaben wir uns endlich an den ersten Aufstieg. Irgendwie wandelten wir ein wenig auf den Spuren unserer Vergangenheit, vorbei an der Realschule, am Waldgasthof Perlenau, am Rande der Talsperre entlang bis wir schließlich die erste Rast am Nationalparktor in Höfen einlegten. Die Wanderhütte war genau der richtige Ort um die ersten Löffel Couscous-Salat zu tanken, der inzwischen zur traditionellen Verpflegung geworden ist. Anschließend folgten wir dem Weg durch Höfen und fanden uns schließlich im Wald wieder, wo uns der nächste Regenschauer nichts mehr ausmachte. Einige Anekdoten zu diversen vergangenen Waldabenteuern später kreuzten wir die bekannte Straße im Grünental und bereiteten uns mental auf den gefürchteten Aufstieg zum weißen Kreuz vor. Der Anstieg ist knackig, aber absolut schaffbar und so machten wir uns ohne Pause direkt wieder an den unmittelbar folgenden Abstieg. Danke Eifelsteig – da hast du mal wieder einen feinen Umweg gewählt.

Juni Eifelsteig 2018

Über Stock und über Stein…

Diese 3. Etappe des Eifelsteigs wurde uns als sehr anspruchsvoll angekündigt und nicht wenige haben die 24 Kilometer bis Einruhr nicht ganz geschafft. Entsprechend hoch waren unsere Erwartungen an den Schwierigkeitsgrad. Vielleicht lag es daran, dass wir inzwischen einige Wanderkilometer in unserem Erfahrungsschatz gesammelt haben, oder daran, dass wir uns in der Gegend auskennen, oder ganz einfach daran, dass wir einen guten Tag erwischt hatten – wir kamen problemlos, glücklich und angenehm erschöpft in Einruhr an. Ach, hungrig habe ich vergessen. Sehr hungrig waren wir natürlich auch und bekämpften dieses unangenehme Gefühl sogleich mit drei deftigen Burgern. Die Sonne ging langsam hinter den Bergen unter während wir in unsere Betten im urigen Fachwerkhof krochen. Natürlich wurden wir zuvor genaustens in die Bedienung sämtlicher Lichtschalter eingewiesen. Irgendwie schien es unserem Gastgeber – wir rätseln noch heute ob es nun Marcel oder Henri war – echt wichtig zu sein, dass wir damit zurechtkommen. Sehr nett und ein wenig amüsant.

 

Juni Eifelsteig 2018

Wo Fels und Wasser dich begleiten

Irgendwie gingen wir mit der Zeit diesmal etwas lockerer um und so trudelten wir erst um 9.30 beim Frühstück ein und verquatschten uns sogleich. Den ersten Schauer warteten wir noch ab und so ging es um 10.30 Uhr ausgeruht und mit überraschend wenig Muskelkater los. Auch diese Etappe beginnt mit einem Anstieg, der wenig später in einer zauberhaften Aussicht auf Einruhr und den See endet. Ein kleiner Rastplatz am Waldrand lädt gleich zu Beginn zum Verweilen ein, doch da der nächste Schauer nahte, sahen wir zu, dass wir in den Wald kamen. Am See entlang schlängelt sich der Weg ohne weitere Komplikationen. Diskutierend über Gott und die Welt und das Leben im allgemeinen, die Männer im speziellen, umgingen wir Pfützen und durchkreuzten eine weite Wiesenfläche. Schließlich lag dann doch wieder ein Anstieg vor uns, dessen Höhenprofil wir leider nicht mehr checken konnten, da unser Wanderbuch im Fachwerkhof zurückgeblieben war. Doch es half ja auch nichts, wir mussten da hoch. Und wir kamen auch an – Zunächst oberhalb der Staumauer und dann auf der Hochebene vor Wollseifen. Ein kalter Wind fegte über die Gräser und wir zogen unsere Mützen wieder auf. Im Dorf angekommen herrschte eine nachdenkliche Stimmung. Dieser Ort ist so voller Geschichte, dass man sie an jeder Ecke spüren kann. Wir schauten in die Kirche – das einzige Bauwerk das noch erahnen lässt, dass hier tatsächlich mal ein Dorf stand, in dem Menschen wohnten. Übrig geblieben sind nach dem Krieg nur ein paar Ruinen und kahle Mauern, die während der belgischen Besatzung entstanden sind und der Übung des Häuserkampfs dienten. Die alte Schule des Orts ist zum Informationszentrum umgebaut und bot uns eine windgeschützte Möglichkeit die Reste unseres Couscous-Salats zu vertilgen. Eine niederländische Reisegruppe hatte Freude an uns und so versorgte uns der Guide mit ein paar Zusatzinfos über diesen besonderen Ort.

 

Juni Eifelsteig 2018Juni Eifelsteig 2018


Zwischen Heute und Damals

Unser nächstes Zwischenziel, die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang, hatten wir uns schon eine Weile aus der Ferne anschauen können. Nun ging es durch das benachbarte Tal den geschichtsträchtigen Mauern entgegen. Wir streiften das Gelände nur und nahmen uns vor, den in Vogelsang untergebrachten Ausstellungen zur Geschichte und zum Nationalpark einen extra Ausflug zu widmen. Wieder ging es in ein Tal hinab, wo uns einige Holztreppen und Stege über Bäche und Geröll führten. Schließlich ging es bergauf Richtung Herhahn – wir befanden uns nun also „hinterm Wald“. Früher stellte der Wald für uns eine natürliche Grenze zwischen den Kennzeichen AC und EU dar, die nur überschritten wurde, wenn es gar nicht anders ging. Denn hinterm Wald ist freilich alles anders! Diesmal änderte sich nur die Wetterlage, und das recht plötzlich. Mitten auf dem Feld überraschte uns ein Hagelsturm, vor dem uns zum Glück eine Informationstafeln schützte – zumindest oberhalb der Hüfte. Aprilwetter vom feinsten. Einige Minuten später trugen uns unsere durch diverse Abstiege beanspruchten Knie in das Tal der Urft, an dessen Ende – das wussten wir sicher – das Gemünder Brauhaus auf uns wartete. Pünktlich am Ortschild riss der Himmel auf und gab uns einen kleinen Vorgeschmack auf das Wetter des Folgetages. Doch zunächst bestellten wir drei kleine Rumpsetaks – auf der Karte gefunden unter „Snacks – Für den kleinen Hunger“. Je 300 gr Steak reichten tatsächlich aus um unsere Mägen zu füllen und ein kühles Radler machte das kulinarische Glück perfekt. Mit dem Taxi ging es zu unserer Unterkunft, die im benachbarten Olef lag. Völlig begeistert begrüßte uns unsere Gastgeberin. „Ach, wie schön! Drei Määädschen.“ Nach einer ausgiebigen Führung durch die kleine Ferienwohnung gab es sogar noch drei Gläser Sekt zum Empfang.

Juni Eifelsteig 2018Juni Eifelsteig 2018Gemünder Brauhaus Es ist Juni

Wieder mal hatten wir eine gute Unterkunft angetroffen und nach einer erholsamen Nacht und geliefertem Frühstück fuhren wir mit dem Taxi zurück zum Ausgangspunkt nach Gemünd. Die klare Nacht hatte ein bisschen Frost gebracht, doch der nun strahlend blaue Himmel kündigte einen traumhaften Tag an. In weiser Voraussicht und mit Gedanken an unsere roten Gesichter vom letzten Jahr, schmierten wir uns Sonnencreme ins Gesicht. Gut so!

 

Juni Eifelsteig 2018Juni Eifelsteig 2018

 

Endlich Sonne!

Mit 17,4 Kilometern lag an unserem dritten Wandertag eine recht kurze Etappe vor uns. Unsere Gemüter waren weiterhin äußerst entspannt und wir genossen die Sonnenstrahlen, die nach dem langen Winter für gute Laune und Frühlingsgefühle sorgten. Abwechslungsreiche Wege führten uns durch Mischwald, durch den beschaulichen Ort Olef und schließlich wieder in den lichten Wald. Die ersten Frühlingsblüher begleiteten uns am Wegesrand und unsere Gesprächsthemen wurden an Tag 3 allmählich ernster. Die Tratscherei war ausgetratscht. Nun standen Themen wie die Pflege der Großeltern, deren gelebtes Leben und das Alt werden generell auf dem Programm. Kinderarmut und das Elend in fernen Ländern gesellten sich dazu. So bemerkten wir gar nicht, dass wir schon fast am Ziel waren. Doch als wir ein sonniges Feld überquerten tauchten im Wald vor uns zwei Türme auf, die nur zum Kloster Steinfeld gehören konnten. Zwar trennten uns noch 3 Kilometer vom Ziel, doch fast schlich sich ein bisschen Wehmut ein. Da war es schon wieder zu Ende und es waren nur noch 2 Etappen übrig. Eine Pinkelpause später marschierten wir an der Mauer des Eifelklosters entlang und traten den Dreck von unseren Schuhen auf dem Asphalt ab. Nachdem wir uns innerhalb der Mauern ein wenig umgeschaut und unser Siegerfoto geschossen hatten, gönnten wir uns eine wirklich leckere selbstgemachte Kartoffelbratwurst im Restaurant „Zur alten Abtei“.

Juni Eifelsteig 2018Juni Eifelsteig 2018

Angekommen! Auf dem Rückweg im Auto wurde mir klar, wie weit doch die Gesamtstrecke von Monschau bis Steinfeld ist und wir waren ein bisschen stolz. Es ist eben irgendwie anders, wenn man durch bekannte Gefielde wandert. Unsere Gesichter waren nun doch wieder ein bisschen rot geworden. Und zufrieden. Und unsere Füße um 61 Wanderkilometer reicher. Das war ein guter Auftakt in den Frühling. Für die letzten Etappen – das haben wir uns vorgenommen – möchten wir ein Sommerwochenende wählen. Mit blauem Himmel und grünen Bäumen.

Juni Eifelsteig 2018
Siegerfoto Eifelsteig-Abenteuer 2018