Juni Eifelsteig im Herbst

Ein neues Abenteuer – Eifelsteig im Herbst

Ende Oktober gab es nicht mehr viel zu tun im Garten. Die Bäume und Hecken waren geschnitten, die Laube aufgeräumt, Grünkohl gepflanzt und Feldsalat längst gesät. Die letzten Getränke wurden aus dem Kühlschrank geräumt und die Spuren des Sommers beseitigt. Nun brauchte es eine alternative Draußen-Beschäftigung.

Am 30. Oktober brachen wir also erneut zu einem Eifelsteig-Abenteuer auf. Zwei Freundinnen und ich starteten früh in Aachen in Richtung Kloster Steinfeld in der Eifel. Dort parkten wir das Auto und machten uns wieder einmal auf den Weg. Eifesteig Etappe 6 stand auf dem Plan. Das Wetter war perfekt, wärmer als bei unserer letzten Tour im April, sonnig und trocken. Die Landschaft präsentierte sich in einem perfekten Oktobergold, sodass wir die ersten Kilometer motiviert und fröhlich quatschend hinter uns brachten. Die Etappe führt vom Kloster Steinfeld über das Naturerlebnisdorf Nettersheim nach Blankenheim, wo wir bereits eine Unterkunft gebucht hatten, von der uns aber noch viele Kilometer trennten. Nach einer Weile bot sich ein traumhafter Ausblick über das Tal hinüber zum Kloster – unserem Ausgangspunkt. Nach einer kurzen Pause führte uns der Weg durch Laubwald hinab ins  Urfttal, in dem wir bald auf eine alte römische Wasserleitung trafen. Mit dieser Leitung versorgten die Römer das damalige Köln mit Wasser. Aus heutiger Sicht fast schwer zu begreifen, wie das damals funktionierte. Für Interessierte gibt es am Wegesrand eine Reihe von Infotafeln. Wir hielten uns aber nicht lange auf, denn die gerade umgestellte Uhr saß uns im Nacken und wir wollten keinesfalls im Dunkeln ankommen. Außerdem sind 4 Grad in Bewegung durchaus angenehm, zum Verweilen aber weniger bequem. So machten wir nur kurze Pausen. Einige Sonnenstrahlen begleiteten uns über Felder, an bunten Waldrändern entlang, bis wir schließlich oberhalb der Burg Blankenheim über steile Treppen wieder auf Zivilisation stießen. Inzwischen dämmerte es und die Temperaturanzeige an der Apotheke zeigt 0 Grad an. Nach einer kleinen Runde durch das verschlafene Blankenheim, vorbei an der Ahrquelle, erreichten wir den Kölner Hof, wo wir übernachten sollten. Irgendwie fühlten wir uns beim Check-In wie Außerirdische. Vielleicht lag es an unserer wie üblich gegen Ende einer Etappe gelösten Stimmung oder an unseren frischluftroten Gesichtern – der Blick der Empfangsdame war irgendwie verstört. Mit eisigen Fingern füllte ich den Zettel aus, bevor wir dann unser Zimmer betraten und vor lauter Blumenteppich in einen erneuten Lachkrampf verfielen. Zwei von uns hatten am Abend vorher den Halloween-Grusel Tatort gesehen und hielten es für unmöglich das Bett vor dem großen Eichenschrank zu beziehen. Doch die dritte im Bunde opferte sich und so verschnauften wir kurz auf unseren Betten – stets bemüht nicht einzuschlafen. Es war 17.30 Uhr. Die halbe Stunde bis zum Abendessen stellte eine Herausforderung dar, lohnte sich aber, denn das Essen war wunderbar deftig. Genau das richtige. Wie schon befürchtet, bauten wir nach dem Essen doch deutlich ab und schafften es so gerade noch unter die Dusche. Um 21.15 ging das erste Licht aus, die anderen beiden folgten Minuten später.

Juni Eifelsteig im Herbst
Auf geht’s!
Juni Eifelsteig im Herbst
Pilze gab es jede Menge am Rande des EifelsteigsJuni Eifelsteig im Herbst

Ausblick auf Kloster SteinfeldJuni Eifelsteig im Herbst

Juni Eifelsteig im Herbst

Juni Eifelsteig im Herbst
Blankenheim
Juni Eifelsteig im Herbst
Blumenteppich in Blankenheim

Der letzte Oktobertag empfing uns zunächst grau und kalt. Nach dem Frühstück machten wir uns auf, durch die leeren Gassen und begannen die 7. Etappe mit einem fiesen Anstieg. Belohnt wurden wir mit einem Ausblick auf die Blankenheimer Burg. Schnell wurde uns wärmer und wir fanden unser Tempo für die anstehenden 17 Kilometer bis Mirbach. Auf dem Brotpfad ging es zunächst durch Wälder, über kleine Bäche, die ein oder andere Brücke und stets raschelten unsere Schritte in den Laubbergen, die die Wege überzogen. An einem Baum, der über dem Weg hing, legten wir einen kurzen Stopp ein und kletterten in den Ästen herum. Kichernd ging es weiter über Feld- und Forstwege hinunter ins Schaafbachtal bei Ripsdorf. An einem grasigen Hügel entlang erreicht man zunächst die Kapelle am Rand von Alendorf. Am Ortsrand geht es erneut einen Hügel hinauf, der mit Wacholdersträuchern übersät ist. Ein kleiner Kreuzweg  führt zum Gipfel des Kalvarienbergs, der uns erneut mit einem traumhaften Panorama belohnt. Trotz des pfeiffenden Windes ließen wir uns auf den bequemen Eifelsteig-Holzliegen nieder und ließen den Blick schweifen. In der Ferne thronte die Nürburg auf einer Bergspitze. Nach dem Abstieg verließen wir Nordrhein-Westfalen und wanderten von nun an durch Rheinland-Pfalz. Wir ließen das Lampertstal mit seiner Wacholderlandschaft hinter uns und folgten nun dem Lauf des Mirbachs bis in die gleichnamige Ortschaft. Ganz langsam ließ uns die leichte Erschöpfung wieder albern werden und allmählich mischte sich ein Hungergefühl darunter. In Mirbach angekommen durchquerten wir den kleinen, von Landwirtschaft geprägten Ort, wurden von Kühen begrüßt und stiegen schließlich den kleinen Berg zur Erlöserkapelle hinauf, die das Etappenziel markiert. Von dort aus konnten wir unsere Pension schon sehen. Das Haus der Familie Mastiaux ist das letzte in Mirbach und wir konnten kaum glauben, dass wir mal wieder eine so tolle Unterkunft erwischt hatten. Uns erwartete eine 100 qm Ferienwohnung mit großem Wohnzimmer, Bad, zwei Schlafzimmern und einer Küche, in deren Kühlschrank schon das Frühstück für den nächsten Morgen bereit stand. Frische Milch vom Hof brachte unsere Gastgeberin später noch vorbei. Wir bestellten Pizza und schafften es mal wieder nicht, den Film um 20:15 zu Ende zu schauen. Vorher fielen uns die Augen zu und wir tankten Kraft für die nächste Etappe, die mit satten 27 Kilometern eine der längsten ist. Der Mond stand über der beleuchteten Kapelle und die ersten Frostkristalle glitzerten auf den Dächern, während wir tief und fest schliefen.

Juni Eifelsteig im Herbst
Burg Blankenheim

Juni Eifelsteig im Herbst

Juni Eifelsteig im Herbst
Herbstwald
Juni Eifelsteig im Herbst
Baumbesteigung
Juni Eifelsteig im Herbst
Baumbesteigung
Juni Eifelsteig im Herbst
Eifelwiesen im Herbst
Juni Eifelsteig im Herbst
Wacholder
Juni Eifelsteig im Herbst
Auf dem Kalvarienberg
Juni Eifelsteig im Herbst
Auf dem Kalvarienberg
Juni Eifelsteig im Herbst
Holzstapel bei Mirbach

Juni Eifelsteig im Herbst

 

Wenn man so früh schlafen geht, fällt das mit dem Frühaufstehen auch nicht so schwer. Während meine Mitstreiterinnen das gewöhnt sind, klingelt mein Wecker nämlich für gewöhnlich erst, wenn es draußen schon hell ist. Doch an diesem 1. November war es auch mir möglich, nach fast 10 Stunden Schlaf um 7 Uhr aufzustehen. Während wir frühstückten wurde es hell und als wir schließlich wieder auf die Straße traten begrüßten uns Sonnenstrahlen, die sich langsam durch den Frühnebeln kämpften, der noch über den Feldern hing. Die ersten Kilometer führten uns quer über Wiesen und schließlich wieder an einem Waldrand entlang, dessen Lichtungen und Grasränder in der Nacht von Wildschweinen umgegraben wurde. So hatten wir es an vielen Orten bereits gesehen. Die Schweine schienen damit beschäftigt zu sein, sich um ihren Winterspeck zu kümmern.

Wieder boten sich traumhafte Aussichten über die Hügel unserer riesigen Eifelheimat, bis wir schließlich über breite Forstwege durch einsamen Wald raschelten. Die Wege waren unspektakulär, aber so konnten wir ein bisschen Strecke machen. Wir marschierten und marschierten, auf einem freien Feldstück schien uns die Sonne ins Gesicht und heizte die Luft gut auf. Wir diskutierten über Gott und die Welt und viele andere, während die Kilometer nur so verstrichen. Die erste Pause legten wir am Dreimühlen-Wasserfall ein, wo es vorbei war, mit der Einsamkeit. Viele Besucher tummelten sich auf dem kleinen Platz rund um den pelzig grünen Wasserfall, der ein Naturdenkmal ist. Gestärkt ging es weiter, zunächst über schmale Pfade, auf denen es wirklich ungünstig ist, wenn einem ein 100 Kilo-Mensch mit Sandalen entgegen kommt. Aber als entspannte Wanderer haben wir auch dieses Hindernis gemeistert. Zu der Idylle gesellten sich leider zwei schmerzende Achillessehnen, die im weiteren Verlauf des Tages wirklich genervt haben. Doch es half ja nichts, wir mussten weiter und so biss ich die Zähne zusammen und ging, wenn nötig, ab und zu rückwärts um die Sehnen zu entlasten.

Juni Eifelsteig im Herbst
Start in Mirbach
Juni Eifelsteig im Herbst
Mirbach und die Erlöserkapelle
Juni Eifelsteig im Herbst
Morgenstimmung im Wald

Unsere Rucksäcke wurden leichter und der Proviant neigte sich dem Ende zu. Einige Reste konnten wir aber noch auftreiben und genossen ein paar sonnige Minuten vor dem Kloster in Niederehe. Weiter ging’s auf überwiegend sonnigen Hochflächen zur Burg Kerpen, von der aus sich wiedermal ein Weitblick über die angrenzenden Felder ergab. Über Treppen ging es bergab ins Dorf und von dort aus über die eben betrachteten Felder leicht bergan, vorbei an einem Steinbruch immer weiter den Markierungen folgend Richtung Hillesheim. Zuvor passierten wir jedoch Berndorf, mit seiner wunderschön auf einem Hügel gelegenen Kapelle, die an frühere Zeiten erinnert. Hinaus aus dem Dorf wanderten wir über Wiesenwege auf Hillesheim zu. Unsere Kräfte schwanden langsam, der sonnige Tag wich der frischen Dämmerung und unsere Gespräche verstummten allmählich. Der Blick über Hillesheim am Ende eines Feldes wirkte erlösend und die letzten Meter durch das Dorf liefen mit Aussicht auf eine warme Suppe schon wieder etwas besser. Wir kehrten im Krimihotel ein und wärmten uns auf, während es draußen dunkel wurde. Das Auto war in der Zwischenzeit vom Kloster Steinfeld nach Hillesheim gebracht worden, sodass wir von dort aus direkt Richtung Aachen aufbrechen konnten. Die Fahrt zurück durch die dunkle Eifellandschaft zeigte uns wiedermal, wie sehr die Wahrnehmung von Entfernungen vom Fortbewegungsmittel abhängt. Drei Tage, 68 Kilometer, zu Fuß. Oder eben zwei Stunden, 96 Kilometer, mit dem Auto.

Juni Eifelsteig im Herbst
Dreimühlen-Wasserfall

Juni Eifelsteig im Herbst

 

Juni Eifelsteig im Herbst
Kapelle in Berndorf
Juni Eifelsteig im Herbst
Angekommen im Krimihotel Hillesheim

Schön war das. Nun bleiben uns noch die Etappen 1 bis 5. Und langsam überlegen wir, was wohl unser nächstes Wanderabenteuer werden könnte. Doch jetzt kommt erstmal der Winter.