Frühlingsdämpfer

Da sind sie wieder. Die fiesen Momente des Kleingärtnerlebens. 

Heute bescherte uns die Sonne den ersten richtigen Frühlingstag. Die Kältewand, die mir in den vergangenen Tagen noch entgegenschlug, ist angenehm frühlingsfrischen 8 Grad gewichen. Genau der richtige Tag, um das Fahrrad aus dem Keller zu kramen und in den Garten zu radeln.

Dort angekommen stellte ich einen Stuhl in die Sonne und genoss mein Brötchen, das ich mir unterwegs gekauft hatte. Letzte Woche kam mir der Garten noch trostlos vor. Im grauen, kalten Regen. Jetzt waren die Wege wieder trocken und das Sonnenlicht ließ die brachliegenden Beete gleich wieder freundlicher aussehen. So saß ich da…

Irgendwann wanderte mein Blick zum Ahornbaum, der meinen neu angelegten Weg im Sommer so hübsch überdacht hatte. Unten am Stamm klafft eine Wunde in der Rinde. Als erstes schoss mir tatsächlich der absurde Gedanke in den Sinn, dass hier sicher ein Biber am Werk war. Gutgläubiger Blödsinn. Hier gibt es natürlich keine Biber. Da bleiben wohl nur Menschen übrig.
Ahornbaum im Sommer

Mir ist bewusst, dass Ahorn in Kleingartenanlagen nicht erlaubt ist. Oder zumindest nicht gerngesehen. Dennoch hat der Gutachter, der den Garten zu meiner Übernahme geschätzt hat, das Bäumchen gestattet. Oder übersehen. Ganz egal, der Baum durfte stehen bleiben und muss dann vielleicht beim nächsten Besitzerwechsel gefällt werden. Soweit stört ihn ja niemand.

Doch es gibt Menschen, die sich in unserer Kolonie der Ordnung sehr verpflichtet fühlen. Das hatte ich spätestens begriffen, nachdem ein jähzorniger, unfreundlicher alter Herr mich im letzten Sommer brüllend darauf hinwies, dass Radfahren in der Anlage verboten sei. Auch das war mir bewusst und ich habe mich ebenso bewusst darüber hinweggesetzt und bin mit rasanten 6 km/h den Weg entlang gefahren. Wenn ich das Rad schiebe, zeigt der Tacho 5 km/h an. Vertretbar, finde ich. Ich habe mich damals anschließend eine Stunde lang geärgert und mein Hirn hätte viele Schimpfwörter ausspucken können. Meine Erziehung und irgendein Respekt vor dem Alter (den ich langsam aber sicher verliere), hielt mich davon ab. Hinter meiner Gartentür war mir der frustrierte Herr dann schnell egal.

Wenn jetzt aber jemand hinter ebendiese – meine – Gartentür geht und absichtlich meine Pflanzen beschädigt, dann fehlen mir dazu die Worte. Ganz egal, ob der Baum dort offiziell stehen darf oder nicht. Das war im wahrsten Sinne ein Einschnitt, der zu weit geht. Mit Fachwissen und ein paar Schnitten rund um den Stamm wird der Ahorn nun langsam sterben. Vielleicht qualvoll.

Ahornbaum

Sicher wird sich derjenige bald entschuldigen und mir einen neuen, legalen Baum mitbringen, den wir dann gemeinsam fachgerecht einpflanzen und einen Schnaps drauf trinken.

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