Schnneforsythie

Hinter jeder Woche lauert der Frühling.

Für verträumt, vertrödelte Frühlingstage.

Habt ihr’s schon bemerkt? Um 17 Uhr ist es noch hell. Morgens zwitschern die Vögel und durch die Baumwipfel weht ein rauschender Wind der Veränderung. Fast hört man die Erde aufatmen. Ist der Winter schon geschafft? Vielleicht.

Mit Lärm und Konfetti begrüßen wir in diesen Tagen den Frühling. Es gibt viele Erklärungen zur Herkunft des Karnevals. Mir gefällt die Theorie am besten, nach der Karneval ursprünglich ein heidnischen Volksfest war, das den Beginn des Frühlings markierte. Seit je her sorgen wir mit Musik, bunten Masken und Verkleidungen für die Vertreibung der düsteren Wintergeister. Nun liegt Karneval in diesem Jahr sehr früh. Doch das soll uns nicht stören. Fest steht, dass der Frühling näher rückt. So oder so. Die Tage werden wieder länger. Schon bald wird die Sonne unsere Gesichter wärmen und uns ein Lächeln entlocken. Eigentlich ist das die beste Zeit des Jahres – wenn jeder Tag ein Fortschritt ist. Wenn der Frühling jede Woche so unübersehbar näher rückt und die Energie zurück zu den Menschen kommt. Die Luft ist trocken und riecht nach Erde. In den Hecken knistert es und die Bäume scheinen sich nach einem tiefen Schlaf ganz langsam zu strecken. Die Straßen trocknen und hinterlassen einen weißen Schleier aus Streusalz. Die ersten Sträucher beginnen zu blühen, andere tragen Knospen, die noch auf ihre Glanzzeit warten.

Ehe wir uns versehen wird der Frühling wieder vergangen sein. Das Jahr schreitet voran und wir kommen kaum hinterher. Irgendwann ist dann August und wir fragen uns, wie schnell die Zeit schon wieder vergangen ist. Früher waren die Jahre irgendwie länger. Weil wir mehr Zeit hatten? Oder weil wir mehr wahrgenommen haben? Weil es mehr Abwechslung gab – oder weniger? Weil wir einfach da sitzen konnten, ohne uns dafür rechtfertigen zu müssen? Manchmal glaube ich jede Minute sinnvoll nutzen zu müssen. Aber ist es wirklich nicht sinnvoll einfach in die Luft zu schauen und die Gedanken kreisen zu lassen? Oder gar keine Gedanken zu haben. Die Jahre vergehen nicht schneller als früher, wir haben nur einen Tunnelblick entwickelt. Wir nehmen uns kaum noch Zeit langsam zu gehen oder einfach dazustehen und aus dem Fenster zu blicken. Vielleicht nehmen wir die Jahreszeiten und deren Voranschreiten einfach nicht mehr wahr.

Frühling im Anmarsch
Frühling im Anmarsch

Dieses Jahr soll ruhiger werden, als das letzte. Mit Zeit zum Trödeln, für schönen Unsinn und
und sinnvolle Umwege. Für Hirngespinste, ein gutes Buch an einem Nachmittag und für einen Drink unterm Kirschbaum. Für verträumt vertrödelte Gartenstunden. Für einen Tag am Meer und einen auf dem Sofa. Für Blumen und gutes Essen und zwei, drei Nickerchen in der Sonne.

Morgen fange ich an. Nicht mit dem Nickerchen, aber mit den Blumen. Wie gut, dass das Gartencenter auch Sonntags geöffnet ist!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.