Das erste Zwinkern des erwachenden Frühlings

Frühlingszwinkern.

Freitag. Februar. Fünf Grad. 

Manchmal habe ich freitags frei. Dann schlafe ich aus, mache aber gegen 7 Uhr das Fenster auf, damit ich die Vögel zwitschern hören kann. Diesmal scheint sogar die Sonne. Es ist das Wochenende nach Karneval und alle sind ein bisschen erschöpft. Meine für diese Jahreszeit übliche Erkältung klingt gerade ab und ich stehe munter auf und frühstücke. Heute ist endlich nochmal Zeit dem Garten einen Besuch abzustatten.

Der erste Punkt auf meiner Tagesordnung sieht eine kleine Tour durchs Gartencenter vor. Ich möchte endlich alle Samentütchen beisammen haben um jederzeit mit der Anzucht beginnen zu können. Nachdem ich die Kohlrabi- und Salatpflänzchen im letzten Jahr auf dem Wochenmarkt gekauft habe, möchte ich dieses Jahr selbst versuchen die Pflänzchen zu ziehen. Sollte das Experiment scheitern, bleibt mir immer noch der Markt. Seit Wochen lauer ich daher auf Tabellen und Kalender und suche die Pflanzen raus, mit deren Anzucht man schon im Februar beginnen kann. Gar nicht mal so viele – aber die Tütchen enthalten meistens so viele Samen, dass ich ruhig ein paar an meine Ungeduld verschwenden kann. Oder sagen wir besser: An die Vorfreude.

Nach einer gefühlten halben Stunde vor dem ewig langen Regal mit Saatguttütchen hatte ich meine Auswahl einigermaßen eingeschränkt. Dennoch trug ich mindestens 12 Tütchen zur Kasse, deren Preisanzeige meiner Vorfreude einen Dämpfer verpasste. Dass sich diese Minipreise dann doch immer so summieren… Naja, das ist bald vergessen. Spätestens, wenn in ein paar Monaten das prall gefüllte Erntekörbchen auf dem Tisch steht.

Zweiter und letzter Punkt meiner persönlichen Tagesordnung schickt mich endlich in den Garten. Ich betrete die Anlage und die Sonne scheint mir ins Gesicht. Der Weg und die Hecken glitzern und in den Gärten scheinen sich die Pflanzen langsam zu strecken. Der Anblick von Nummer 14 erfüllt mich mit einer beruhigenden Zufriedenheit. Alles in Ordnung. Keine umgestürzten Zäune oder eingeworfenen Fenster: Leider bleiben die Kleingartenanlagen von Vandalismus nicht verschont. Im letzten Jahr hatten besondere Schlaufüchse ein Loch in den Außenzaun geschnitten und meine Heckenschere, sowie zwei Rechen aus dem Geräteschuppen geklaut. Aus irgendeinem Grund haben sie das Werkzeug aber nicht mitgenommen, sondern gleich hinter dem Zaun wieder liegen lassen. Harmlos also. Zumindest dieses eine Mal. Dennoch bleibt man wachsam und freut sich, wenn im Garten alles seine Ordnung hat.

Schneeforsythie
Schneeforsythie

Ich mache meine übliche Kontrollrunde und verharre wenig später mitten auf der Wiese stehend und gedankenverloren umherschauend. An vielen Stellen gucken die Frühlingsblüher aus der Erde. Ich habe den Überblick verloren, welche Zwiebeln ich wohin gesteckt habe. Die Sonne wärmt schon ein bisschen und ich entdecke die blühende kleine Schneeforsythie, die ich letztes Frühjahr gepflanzt habe. Die kleinen weißen Blüten stehen nun für den Beginn des neuen Gartenjahres. Der Schneeball gleich daneben hat viele grüne Knospen, die sich nach milden Frühlingstagen sehnen. Kennt ihr diesen Frühlingsduft, der nicht so erdig herb ist, wie der Herbst, sondern eher ein bisschen süßlich und erfrischend? An diesem Freitag hab ich ihn das erste Mal gerochen, dieses Jahr. Trotz verstopfter Nase. Das war das erste Augenzwinkern des erwachenden Frühlings.

Nächste Woche werde ich loslegen und die Anzuchttöpfchen und das kleine Zinkbeet mit Leben füllen. Dann werden die Fensterbänke mit Minigemüse vollgestellt und jeder Tag wird ein Fortschritt sein.

So simpel ist das Leben.

Vorbereitung für die Anzucht von kleinen Gemüsepfänzchen
Vorbereitung für die Anzucht von kleinen Gemüsepfänzchen

 

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