Strandgut

Kein Mensch braucht Marketing…

Immer mal wieder denke ich darüber nach, in was für einer Welt wir hier eigentlich leben. Meistens passiert das nachdem ich die Nachrichten im Fernsehen gesehen habe. Oder eine Dokumentation mit eindrucksvollen Naturbildern in der die Erzählerstimme in dramatischem Ton vermittelt, dass all diese Schönheit gerade durch Menschenhand zerstört wird. Manchmal ist es einfach dumme Zerstörung. Manchmal ist es aber auch ganz außerordentlich dumme Zerstörung. 

Seit Jahren heißt es „wenn wir so weiter machen…“ – und was machen wir? So weiter. Regenwälder werden abgeholzt, Ozeane verschmutzt, Landstriche verpestet. Völker ausgebeutet. Tiere sinnlos ausgerottet. Das ist nur ein Bruchteil von dem, was wir hier anrichten.

Schon als Kind war ich schockiert darüber was der Mensch mit Ozeanen, Wäldern und sämtlichen anderen Lebensräumen anstellt. Damals wurden mir die Zusammenhänge und Sachverhalte kindgerecht erklärt und ich

habe wirklich nicht verstanden, warum man all diese negativen Einflussfaktoren nicht augenblicklich stoppen kann, statt die Welt einen Tod auf Raten sterben zu lassen.

Strand Netz

Für eine intakte und gesunde Zukunft dieses Planeten müssen wir kämpfen. Dachte ich mir. Denn das ist unsere Zukunft. Aber die großen Leute haben das mit dem Kämpfen irgendwie anders verstanden. Ich fand das ganz logisch: Was mich krank macht, lasse ich sein. Was mir nicht gut tut, esse ich nicht. Wenn ich eine Pollenallergie habe, laufe ich im Juni nicht durch die Felder. Und wenn es der Erde – und damit auch uns – schadet, dass wir die Luft verpesten, lassen wir es doch einfach sein.

Wenn „die Welt retten“ bedeutet, vorübergehend ein bisschen weniger luxuriös leben zu müssen, dann ist es das doch allemal wert. Große Erfindungen werden nicht aus Luxuspositonen heraus gemacht, sondern entstehen in Momenten, in denen man improvisieren muss. Durch den Erfinderreichtum des Menschen sind wir bis hierher gekommen, vielleicht muss man nun einen Schritt zurück gehen und die Zukunft nochmal neu erfinden. Besser. Nachhaltiger. Sozialer.

Heute bin ich kein Kind mehr. Kindgerechte Erklärungen bekomme ich nicht mehr. Heute bekomme ich Antworten wie „Wir können doch nicht einfach den Strom abschalten“ oder „Da hängt doch viel zu viel dran“ und „Ach komm, du musst einsehen, dass so was nicht möglich ist“. Nein, ich sehe es eigentlich nicht ein.

Wir leben hier in einem Land, das weitestgehend von Naturkatastrophen und anderen Folgeschäden der Ausbeutung der Natur verschont geblieben ist. Noch. Hier wird man schon panisch, wenn der Sommer im Schnitt vier Grad zu warm ist und Weihnachten kein Schnee liegt. Anderswo sterben Menschen an verseuchtem Wasser. Wälder werden gerodet, ohne die Folgen zu bedenken. Laut einer Studie der Ellen-MacArthur-Stiftung gelangt aktuell pro Minute eine LKW Ladung Plastik ins Meer. 2050 wird es mehr Müll als Fische in den Ozeanen geben. Und das betrifft dann auch uns in unserem bisher verschonten Land.

Das mir bekannte Elend dieser Erde ist nur ein lächerlicher Bruchteil des ganzen Ausmaßes. Mich ärgert die Machtlosigkeit. Was hilft’s, wenn ich Fahrrad statt Auto fahre, den Müll trenne und Strom spare, wenn die großen Leute nicht mitmachen? Ich möchte nicht, dass meine Kinder später Schnee nur aus Bilderbüchern kennen. Ich möchte nicht akzeptieren, nichts bewirken zu können in diesem riesigen Teufelskreis der Zerstörung und Dummheit. Ja, es ist dumm, Regenwälder abzuholzen, die uns ganz kostenlos die Luft zum atmen hübsch aufbereiten. Es ist dumm, giftige Abwässer ins Meer zu leiten und damit seine eigene Nahrungsquelle zu vergiften. Es ist dumm, sich von der Macht des Geldes derart manipulieren zu lassen. Denn am Ende geht es immer nur ums Geld.

 

Genug gejammert. Die Ärzte sangen schon 2003: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär’ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt!“ Meine Berufung ist es, Dinge schön zu machen. Solange es um Plakate, Websites, Verpackungen und Wohnzimmer geht, gelingt das auch ganz gut. Manchmal klappt’s auch mit Tagen oder wenigstens Minuten. Vielleicht macht es mich gerade deshalb manchmal traurig, dass all das Schöne, das wir da draußen entdecken können, viele Ebenen weiter oben nichts mehr wert ist. Doch ich möchte nicht jammern – Ich möchte Begeisterung! Für unseren Lebensraum, die Natur und für jedes noch so kleine Kraut am Wegesrand. Für jedes Vogelzwitschern am Morgen und jede Brise sommerlichen Blumenduft. Für jedes Herbstgewitter und jede Schneeflocke – auch im April. Für jeden Mensch, der uns entgegen kommt. Für jedes nette Wort. Wir müssen wieder bodenständig werden. Ich möchte Bewusstsein für die Umwelt im Großen und im Kleinen. Und wenn die Welt retten bedeutet, dass nur ein einziger Raum der Wohnung mit Feuer geheizt wird und ich jeden Tag aus eigener Kraft für Holz sorgen muss, dann soll es so sein. Denn – ich mag meinen Beruf – aber wichtig ist der nicht. Kein Mensch braucht Marketing, wenn die Welt um ihn zusammenbricht.

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