Kraniche März

Kraniche. Hurra!

Zwei Tage, 20 Grad. Unterschied!

Was ein meteorologischer Frühlingsanfang! Der 1. März kam in diesem Jahr sehr unfrühlingshaft daher. Seit Tagen schon herrschte ein strenger Ostwind, der uns zwar reichlich Sonne bescherte, aber auch ziemlich frostige Nasenspitzen. Die schneebedeckte Landschaft lag verschlafen und tiefgefroren da und es war äußerst verlockend hinauszugehen und märchenhafte Winterfotos zu schießen. Naja, es war so lange verlockend bis man die Autotür geöffnet hatte und die Finger schon auf dem Weg vom Fahrersitz zum Kofferraum zu Eiszapfen erstarrt waren. Schade eigentlich, denn mit Sitzheizung im Rücken sah alles da draußen so wunderschön aus. Selbst mit dicken Handschuhen, Mütze, Schal und allem, was man sonst so auftreiben kann, wurde es nicht angenehmer. Die Kälte schien vom Boden durch die Schuhe direkt in die Knochen zu wandern.

Heute, drei Tage später, gehe ich dick eingepackt aus dem Haus. Die Sonne scheint hell vom blauen Winterhimmel und die Schneereste haben sich über Nacht in die schattigsten Ecken zurückgezogen. Als ich die Haustür aufmachte, kam mir ein Schwall angenehm warme Frühlingsluft entgegen. Was eine Überraschung! Ich war beinahe schockiert. Das Thermometer zeigt 12 Grad. Plus! Vorgestern waren es noch -8 Grad. Trotz aller Zweifel, die die Menschen in den letzten Wochen geäußert haben – es gibt ihn noch, den Frühling. Und es ist Verlass auf ihn! Nur das mit der Pünktlichkeit nimmt er wohl nicht so genau.

Ich machte mich auf den Weg in den Garten. Schnell merkte ich, dass ich viel zu warm angezogen war. Wie ungewohnt es plötzlich sein kann, warme Luft einzuatmen. Die Parks waren voll mit Menschen – fast alle gut gelaunt und froh, dass der Winter sich scheinbar endlich verzogen hatte. Letztes Wochenende war die Erde noch steinhart und jeder Grashalm von einer dicken Schicht frostiger Kristalle überzogen. Heute sah der Garten schon wieder ein bisschen fitter aus. Als würde er langsam erwachen und von Tag zu Tag ein bisschen grüner werden. Im Sonnenlicht sah das alles nicht mehr ganz so trostlos aus. Der Versuch ein Beet umzugraben scheiterte dennoch schon nach dem ersten Spatenstich – eigentlich war es nur ein halber, denn es waren nur die ersten Zentimeter aufgetaut und so gab es frostigen Widerstand, gegen den ich noch nichts ausrichten konnte.

Die Kraniche wussten das!

Immer wieder zogen heute große Schwärme Kraniche übers Land. Das Kreischen kündigte sie frühzeitig an, sodass man schnell den Himmel nach wabernden V-förmigen dunklen Linien absuchen konnte. Faszinierend, wie die Vögel ihre Formation halten und zielstrebig den Weg in den Norden finden. Ich finde das immer sehr beruhigend. Wenn die Kraniche zurückfliegen, dann ist der Winter überstanden. Und sie wissen ganz genau, wann der richtige Zeitpunkt ist aufzubrechen. Von nun an dauert es sieben Monate bis wir sie wiedersehen. Dann werden wir einen warmen, hellen und unvergesslichen Sommer hinter uns haben. Ganz bestimmt.

Kraniche März