Spreewald im Mai

Zwei, die durch den Spreewald gurken.

Am 29. April saßen wir wiedereinmal im Auto. Den Arbeitstag im Nacken, machten wir uns auf nach Berlin. 6 Stunden Autobahn gen Norden. Widererwarten ging die Zeit um wie im Flug. Das Radio brauchten wir nicht. Ganze 6 Stunden quasselten wir uns den Mund fusselig, bis wir endlich in Berlin ankamen. Herzlich empfangen von den Freunden hielt ich noch zwei Stunden durch, dann fielen mir die Augen zu.

Von der Sonne geweckt standen uns am Samstag drei wunderbare Tage in der Hauptstadt bevor, die sich einmal mehr von ihrer schönsten Frühlingsseite zeigte. Wir besuchten Freunde, genossen diese ersten warmen Frühlingsstunden und ließen zwischen Bier und Garten die Seele baumeln.

Das lange Himmelfahrts-Wochenende hatten wir auf eine ganze Urlaubswoche ausgedehnt. Inspiriert von irgendeiner Fernsehdoku im letzten Herbst starteten wir am Dienstagmorgen unseren Kurztrip in den Spreewald. Eine gute Autostunde südlich von Berlin erstreckt sich dieses zunächst unscheinbare Biosphärenreservat. Irgendwie sieht man der Gegend den Osten an. Ich weiß nicht genau, an welchen Stellen, aber es ist doch irgendwie ein anderes Deutschland dort. Vielleicht ist es auch einfach die Nähe zu Polen, die Orte und Menschen geprägt hat. Die Orte sind grau, die Menschen sehr freundlich! Wir hatten nicht wirklich einen Plan und so steuerten wir einfach mal die Mitte an. Die definierten wir selbst im kleinen Örtchen Lübbenau. Zu dieser Jahreszeit, noch dazu an einem Dienstagmittag streiften die Sonnenstrahlen verschlafene bunte Häuserreihen. Einen Mittagsimbiss fanden wir schnell und günstig in einer der Orts-Metzgereien: Soljanka und Kartoffelsalat füllten die Mägen für die nächsten Stunden und wir starteten die ersten Gehversuche im Spreewald.

Zunächst steuerten wir einen der Campingplätze in der Nähe an. Wir entschieden uns kurzerhand für den Campingplatz am Schlossgarten. Ich fand, das klingt schön und die website sah auch gut aus. Wir bezogen einen von Hecken umgebenen Stellplatz und ein bisschen ging das Herz auf, als endlich wieder Campingtisch und Stühle vor mir standen. Ein Hauch von Sommer und Frankreich. Im Mai. Im Spreewald. Da muss ich jetzt noch lächeln.

Direkt vor uns befand sich ein Weg, der laut Schild wieder zurück ins Dorf führte. Der Nachmittag lag sonnig und warm vor uns, also schlenderten wir los. Durch den Schlossgarten und später auf schmalen Pfaden entlang der Spree, liefen wir auf den kleinen Hafen in Lübbenau zu – ein zauberhafter Ort. Eine kleine Anlegestelle, eine Brücke, ein Biergarten und eine große Weide, die ihre zartgrünen Zweige Richtung Wasser neigt. Ein erstes Postkarten-Idyll. Wir blieben eine Weile auf einer Bank sitzen und ließen den Zauber wirken.

Schlossgarten in Lübbenau
Schlossgarten in Lübbenau
Gutshaus in Lübbenau
Gutshaus in Lübbenau

Schließlich schmiedeten wir den ersten Plan seit Tagen und wanderten los zu einem Waldlokal, in dem wir zu Abend essen wollten. Drei Kilometer gingen wir über schmale Wege, die sich durch lichten Wald schlängelten. Mindestens ein Nebenarm der Spree war stets an unserer Seite. Mal rechts, mal links. Unser Ziel, das Ausflugslokal Wotschofska auf der gleichnamigen Insel, konnten wir dank der guten Beschilderung nicht verfehlen. Das erhoffte Essen verfehlten wir allerdings um eine halbe Stunde. Zumindest in der Nebensaison schließt der idyllische Waldgasthof um 17 Uhr. Also tranken wir ein Bier und machten uns auf derselben Route auf den Rückweg.

Wandern im Spreewald
Wandern im Spreewald

 

 

Das Waldlokal Wotschowska
Das Waldlokal Wotschowska

In Lübbenau kehrten wir dann im Café Fontane ein, das uns ein wunderbares Abendessen bescherte. Im Tante Emma Laden kauften wir noch ein Mückenspray und latschten zufrieden und glücklich zurück zum Campingplatz, wo eine wunderbare warme Dusche wartete. Die Abende Anfang Mai sind kühl und noch nicht so lang, wie im Sommer. Daher schlichen wir uns recht früh in die Koje und schauten über WLAN Kung Fu Panda 3.

Am nächsten Morgen weckte mich ein ganz und gar unbeliebtes Geräusch. Regen auf dem Autodach. Naja, war so gemeldet, also zog ich die Decke über den Kopf und drehte mich nochmal um. Eine Stunde später war keine Besserung in Sicht und irgendwann muss man schließlich in den Tag starten. Dies taten wir wieder mit einer warmen Dusche und einem kurzen Müsli-Frühstück im Auto. Dieses Wetter ließ leider so gar keine Outdoor-Aktivität zu, sodass wir schließlich die einzige Alternative nutzten, die sich scheinbar bot: Wir fuhren nach Cottbus. Ich hatte keine Ahnung, wie groß diese Stadt ist, kannte sie nur aus der Bundesliga und den Nachrichten. Nach 40 Minuten parkten wir das Auto im Parkhaus eines Einkaufszentrums und erkundeten im Regen die Altstadt, die sich als ganz nett entpuppte. Einige alte Industriehäuser aus Backstein rundeten den guten Eindruck ab, einige graue Plattenbauten blieben aber auch nicht aus. Schlussendlich gab es auch hier ein gutes Mittagessen und der sonnige nächste Tag war wieder ein paar Stunden näher gerückt.

Cottbus – Altstadt
Cottbus – Altstadt
Cottbus
Cottbus

Die Nacht verbrachten wir auf dem Stellplatz neben der Schranke des Kneipp und Erlebniscampingplatzes in Burg. Wieder empfingen uns sehr freundliche Menschen und sobald wir unser Wohnauto geparkt hatten fanden wir heraus, was dieses Dorf so kann.

Das Heimathaus in Burg
Das Heimathaus am Hafen in Burg

Auch in Burg gibt es einen kleinen Hafen und einige sehr schöne Ecken, allerdings keine Altstadt oder einen Ortskern, der für Touristen spannend ist. Es war Mittwoch, also kauften wir vor dem Feiertag noch ein wenig Proviant ein und machten uns auf den Rückweg zu unserem Domizil:

Camping ist, wenn man mit Jogginghose und Socken in Flipflops zum Waschhaus geht, und dabei nicht schief angeschaut wird. Wenn die Luft morgens schon nach Lagerfeuer riecht, die Vögel zwitschern und diese eine Mutter um 6 Uhr quer über den Platz ihr Kind erzieht. Camping ist, wenn die frische Luft auch nachts Farbe ins Gesicht zaubert.

Die Sonne tat sich am Donnerstag ein bisschen schwer, aber das störte uns nicht. Wir checkten aus, mieteten uns ein Bötchen und begannen endlich unsere Spreewaldkanutour. Das Plätschern der Paddel im Wasser und die Mücken, die uns nicht stechen konnten, weil wir zu schnell waren, erfreuten mein Abenteurerherz. Durch schmale und breite Kanäle, vorbei an wunderbaren Gärten, kleinen Anlegestellen, durch Schleusen und unter Brücken paddelten wir von 12 bis 4. Die Wegbeschreibung der Bootsvermieterin hatten wir schon nach drei Minuten wieder vergessen, sodass wir uns anhand der Karte auf eigene Faust durch den wirklich zauberhaften Spreewald navigierten. Erstaunlich wie sehr sich die Perspektive auf dem Wasser ändert.

Kanutour Burg im Spreewald
Kanutour bei Burg im Spreewald

 

Kanutour Burg im Spreewald
Kanutour bei Burg im Spreewald

 

Kanutour – Pause am Waldschlösschen
Kanutour – Pause am Waldschlösschen

 

Kanutour Burg im Spreewald
Kanutour Burg im Spreewald

Die Sonne schaffte es dann auch an den Himmel und bescherte uns eine sommerliche Mittagspause am Rastplatz „Waldschlösschen“, wo wir gemeinsam mit einigen Vatertagstrupps die Pommesbude stürmten. Amüsiert und gesättigt fanden wir uns schließlich auf dem Wasser wieder und steuerten den Rückweg an. Je näher wir unserem Ausgangspunkt kamen, desto müder wurden die Arme. Fast mit letzter Kraft schafften wir die Paddelschläge zum Steg des Bootsverleihs. Zum Abschluss schlugen wir ein und watschelten zurück zum Auto.

Auf dem Heimweg gen Westen, einmal quer durchs Land, fahren wir der Nacht entgegen. Die untergehende Sonne zeichnet Rot in Blau. Flugzeuge kreuzen den Abendhimmel und hinterlassen flauschige Streifen in der Luft. Mit der Dämmerung wird es kühler und es stellt sich dieses Gefühl ein, im Sommer nach Hause zu kommen. Die Luft strömt durchs offene Fenster und pustet mir die Haare aus dem Gesicht. Ach, wie ich es liebe unterwegs zu sein. Und wie ich es liebe heimzukehren, mit neuen Horizonten im Gepäck.

 

Freilichtmuseum Lübbenau
Freilichtmuseum Lübbenau

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