Eifelsteig Manderscheid

Vier Tage. Neunzig Kilometer.

Sei Pippi, nicht Annika!

Zwei Wochen ist es nun her, dass unsere Füße nach 90 Wander-Kilometern in Trier ankamen und nicht mehr weiterlaufen wollten. Mussten sie auch nicht, denn hier endete unsere Easterhiking-Tour.

 

Eifelsteig Lieserpfad
Eifelsteig Lieserpfad

 

Drei Tage zuvor hatten zwei Freundinnen und ich das Auto in Manderscheid geparkt und waren losgelaufen. Frohen Mutes und bei Sonnenschein. Die 12. Etappe des Eifelsteigs sollte unsere erste sein. Die ersten Kilometer verliefen durch lichten Wald, über den schmalen, kurvenreichen Lieserpfad. Rechts der Fels, links das Tal. Wann immer wir den Blick schweifen ließen, bot sich eine wunderbare Aussicht. Wir malten uns aus, wie schön es wohl im Juni sein muss, wenn alle Bäume grün sind.

Eifelsteig Burg Manderscheid
Eifelsteig Burg Manderscheid

 

Eifelsteig Lieserpfad
Eifelsteig Lieserpfad
Eifelsteig Lieserpfad
Eifelsteig Lieserpfad
Eifelsteig Lieserpfad
Eifelsteig Lieserpfad

Der Weg führte uns ohne große Anstrengungen hinab zum Fluss, wo wir nach einer kurzen Pause über eine Brücke auf die andere Seite des Tals gelangten. Hier ging es ebenso schmal, wie schön weiter. Es wurde allerdings etwas hügeliger, doch wir kämpften uns tapfer alle Steigungen hinauf, um sie, oben angekommen, gleich wieder zu vergessen. Meist ging es direkt im Anschluss wieder steil bergab. Am Rande einer Lichtung packten wir den Couscous-Salat aus und ließen uns auf einem Baumstamm sitzend ein paar Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen. Pünktlich zum nächsten Schauer waren wir wieder im Wald. Unser erster Wandertag wurde gegen Ende immer ausgelassener und lustiger. Je näher das Ziel rückte, desto alberner wurden wir. Bei Kilometer 18 stolperten wir schließlich laut gackernd durch die Mauer des Klosters Himmerod.

Eifelsteig Lichtung
Eifelsteig Lichtung
Eifelsteig Etappe 12
Eifelsteig Etappe 12
Eifelsteig Kloster Himmerod
Eifelsteig Kloster Himmerod

Die erste Unterkunft liegt außerhalb der Klostermauer und befindet sich wahrscheinlich immer noch exakt im Gründungszustand. Auch die Handtücher schienen aus dieser Zeit zu stammen. Insgesamt ist der Gasthof Graf-Zils eine gute Herberge, die eben ein bisschen in die Jahre gekommen, aber sauber ist. Zum Abendessen begaben wir uns dennoch lieber in die Klostergaststätte um die Ecke. Kaum hatten wir das wirklich gute Essen restlos verputzt, begannen unsere Gesichter rot zu glühen. Wir wagten noch ein Experiment und bestellten den Himmeroder Apfelwein (Eifel-Viez), der leider nicht wirklich genießbar war. Auf unsere vorsichtige Frage, ob das Getränk vielleicht schlecht sei, antwortete die Kellnerin routiniert, dass Viez so schmecken müsse. Wir waren nun immerhin sicher, dass wir den halben Liter überleben würden. Mit unseren glühenden Köpfen begaben wir uns zurück ins Zimmer, wo bald die Augen zu fielen. 21.30 Uhr, Schlafenszeit.

Wer so zeitig ins Bett geht, hat auch kein Problem um 7.30 Uhr wieder aufzustehen. Mit frischen Socken an den Füßen ging’s zunächst in den Frühstücksraum. Schlicht, einfach, aber absolut ok. Ein Brötchen für unterwegs war auch noch drin. Eine Stunde später befanden wir uns auf unserer zweiten Etappe und wanderten entspannt das Salmtal entlang. Wieder ging es über Brücken, kleine Pfade und Feldwege, vorbei an Mühlen, Bauernhöfen und idyllischen Orten. Die einzigen Menschen, die wir trafen, hatten sich an derselben Stelle verlaufen, wie wir, fanden aber mithilfe unserer Karte ohne großen Umweg zurück auf den Weg. Es war Mittwoch und das Wetter meinte es schon nicht mehr ganz so gut mit uns. Waren die Wege am Vortag nass, versanken sie heute im Schlamm. Es kostete häufig Phantasie, die trockenste Route durch riesige Schlammpfützen zu finden. Doch die Belohnung ließ nie lange auf sich warten. Die abwechslungsreiche Strecke führte uns immer wieder zu tollen Aussichtspunkten und durch märchenhafte Wälder.

Eifelsteig Salmtal
Eifelsteig Salmtal
Eifelsteig Etappe 13
Eifelsteig Etappe 13
Eifelsteig Etappe 13
Eifelsteig Etappe 13
Eifelsteig im März
Eifelsteig im März

In einer kurzen Sonnenphase marschierten wir in Bruch ein. Die euphorische „Wir-haben-es-geschafft“-Phase erreichte ihren Höhepunkt, als wir unsere einwandfreie Unterkunft betraten. Die Familie Pitsch verwöhnt ihre Gäste in zwei tiptop vollausgestatteten Ferienwohnungen. Im Kühlschrank standen drei Radler bereit, die unseren gemütlichen Abend abrundeten. Ach nein, falsch: Es gab ja noch Salat zum Abendessen. Und eine Pizza. Da es im Dorf keine Gaststätte gibt, bestellte Frau Pitsch unser Essen im Nachbardorf und holte es dort auch für uns ab. Da sonst keine Gäste da waren, konnten wir die ganze Etage alleine nutzen und genossen die warme Dusche im großzügigen Bad. Das Frühstück am nächsten Morgen wurde uns im Wintergarten der Familie bereitet. Brötchen, Aufschnitt, Marmelade, Müsli, Joghurt, Kaffee, Milch, Saft, Eier der eigenen Hühner… hier blieb wirklich kein Wunsch offen. Diese herzliche Unterkunft war die ideale Grundlage für unseren 30 Kilometermarsch am Donnerstag, für den ausgerechnet das schlechteste Wetter vorausgesagt war.

Eifelsteig Etappe 14
Eifelsteig Etappe 14
Eifelsteig im März
Eifelsteig im März

Die 14. Etappe führt von Bruch nach Kordel und ist je nach Angaben mal 27, mal 30 Kilometer lang. Wer möchte kann in Bruch auch in der Burg übernachten und sie besichtigen. Natürlich verpasst man dann die herrliche Pension der Familie Pitsch. Um 8.30 Uhr waren wir startklar und bereit uns dem Monstermarsch zu stellen. Der Tag präsentierte sich grau, kühl, nass, matschig und was den Weg betrifft leider recht langweilig. Wir passierten ein paar schlafende Dörfer ohne Supermarkt und folgten breiten Feld- und Forstwegen – immer in der Hoffnung, dass uns die Kilometerangabe auf dem nächsten Schild zufriedenstellen würde. Ein kleines Highlight war der Rastplatz „Steinessebeerchen“ im Wald bei Greverath. Leider hielt uns der Regen von einer Pause auf den Holzbänken ab. An einem trockenen Tag kann man hier sicher eine traumhafte Auszeit mit dem Plätschern der Quelle und Vogelgezwitscher genießen. Weiter ging es für uns über elend lange breite Waldwege. In Zemmer angelangt nahmen wir nicht die Abkürzung, sondern den regulären Weg, der uns glücklicherweise pünktlich zum riesigen Wolkenbruch an einem Sportplatz mit überdachten Bänken vorbei führte. Hier zogen wir die warmen Jacken wieder an und vernichteten die belegten Brötchen. Der Regen ließ schließlich wieder nach und wir suchten weiter nach einem Pfad zwischen Pfützen und Bächlein. Wir machten zwar ordentlich Kilometer, doch der Spaß an der Strecke blieb aus. Der Aussichtsturm bei Rodt ist bei schönem Wetter sicher einen Aufstieg wert, wir waren leider damit beschäftigt in der Schauerpause voran zu kommen. Dies gelang uns auch, sodass wir zum nächsten Guss bereits im Wald waren und mit dicken Schlammklumpen an den Schuhen ins Kylltal hinabstiegen. Unten angekommen verwirrten uns die Kilometerangaben bereits zum zweiten Mal. Eine simple Straßenüberquerung brachte uns laut Schild ganze 2 Kilometer weiter. Der Weg hinauf zur Klausnerhöhle an der Kauley war leider versperrt, sodass wir den vielleicht schönsten Teil der Etappe verpassten und stattdessen die Umleitung über den Moselradweg nahmen. Unsere Beine dankten es uns. Diesmal gab es keine alberne Phase, denn es hieß: Zähne zusammenbeißen. Pippi sein, nicht Annika! Die letzten Meter zogen sich wie Kaugummi. Unsere Unterkunft, der Gasthof Reichel in Kordel, enttäuschte uns zunächst. Eigentlich grundlos. Wir waren nur ein wenig zu verwöhnt von der letzten Herberge. Die Wirtin persönlich zapfte uns Radler und brutzelte dann drei feine Wiener Schnitzel. Wir quatschten noch ein wenig, da wir fanden, 19 Uhr sei nun wirklich zu früh zum Schlafen. Bis 22 Uhr hielten wir durch, doch dann taten Frischluft und die 30 Kilometer ihre Wirkung.

Nach einem guten Frühstück bekamen wir unsere verdreckten Schuhe zurück, die die Nacht in der Garage verbringen mussten. Voller Vorfreude auf unseren Einmarsch in Trier stellten wir uns den letzten 20 Kilometern. Überraschend fit wanderten wir vorbei an Burg Ramstein, durch das wunderschöne Butzerbachtal. Hier ignorierten wir die Absperrungen, wie man uns geheißen hatte. Zum Glück, sonst wäre uns der schönste Teil der Tour verborgen geblieben. Über Hängebrücken und schmale Pfade kämpften wir uns stromaufwärts. Bisher hatten unsere Abenteuerhosen und Schuhe uns sicher über alle Wege geleitet. Doch es wäre ja kein Abenteuer, wenn nicht wenigstens ein Missgeschick passiert: Schließlich landete eins unserer Handys im Fluss und musste abtenteuerlich heldenhaft gerettet werden. Belustigt folgten wir unterschiedlichen Wegen, kletterten in die beiden Höhlen, die auf dem Weg liegen und machten unserer Mittagspause am Wegekreuz des Eifelvereins. Durch Laubwald ging es weiter, immer weiter, dem Ziel entgegen.

Eifelsteig Butzelbachtal Etappe 15
Eifelsteig Butzerbachtal Etappe 15
Eifelsteig Butzelbachtal Etappe 15
Eifelsteig Butzerbachtal Etappe 15
Eifelsteig im März
Eifelsteig im März
Eifelsteig Eifelkreuz Etappe 15
Eifelsteig Eifelkreuz Etappe 15

Unsere Sinne hatten sich inzwischen so an die Stille und die Einsamkeit gewöhnt, dass uns die Vorstadtgeräusche von Trier fast wie Lärm vorkamen. Während im Rest des Landes die Sonne schien, verfolgten uns die Wolken, die immerhin dicht hielten. Die letzten Kilometer vor Trier liefen recht gut, auch wenn uns zwei fiese Anstiege kurz vor Schluss nochmal ordentlich schwitzen und fluchen ließen. An der Felskante entlang näherten wir uns Trier auf der gegenüberliegenden Moselseite. Auf den letzten Metern schnappte ich mir einen Wanderstock, der mich den Rest des Tages begleitete. Je näher wir dem Ziel kamen, desto spektakulärer malten wir uns den Empfang aus. Schließlich kamen uns sogar Menschen entgegen: Bleichgesichter tauften wir sie. Ein kleines bisschen Albernheit machte sich schon wieder breit.

Das Ende des Eifelsteigs liegt ganz unspektakulär am Rande eines Parkplatzes am Waldrand. Kein Empfangskomitee, kein Café, noch nichtmal ein großes E, wie wir es vom Startpunkt in Kornelimünster kennen. Wir verschnauften also nur kurz und stellten uns dann den letzten 2,7 Kilometern zur Porta Nigra, die für unser Siegerfoto herhalten sollte. Mit Wanderstock, erschöpften, aber glücklichen Gesichtern und müden Füßen schritten wir durch Trier. Wir zogen merkwürdig viele Blicke auf uns, sollten die Trierer doch eigentlich an den Anblick müder Wanderer gewöhnt sein. Auf Empfehlung einer Bekannten steuerten wir zielsicher die „Kartoffelkiste“ an und bekämpften den Hunger, bevor wir uns dann auf den Weg zum Hauptbahnhof machten. Von dort aus ging es mit der Bahn nach Wittlich und von dort aus im Bus zurück zum Auto nach Manderscheid. Die Autofahrt heimwärts erforderte noch ein letztes Mal Geduld. Gegen 22 Uhr hatte Aachen uns wieder. Mit uns kehrten wunderbare Erinnerungen an eine unbeschwerte, fröhliche und herausfordernde Mädelstour zurück.

Wir haben viel gelacht und gesehen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie einfach es ist, den Kopf herunterzufahren. Auf so einer Wanderung ist einfach nichts mehr von dem wichtig, das uns daheim stundenlang beschäftigt. Es geht ums Weiterkommen, Atmen, Essen, Trinken und Schlafen. So einfach kann es sein. Zwei Wochen ist das nun her. Vier Tage, die sich manchmal angefühlt haben, wie eine Ewigkeit. Was bleibt sind die Ränder der Blasenpflaster an den Füßen, ein Haufen Fotos und eine bereichernde neue Erfahrung. Kaum zu glauben, dass vier regnerische, anstrengende Tage so entspannend sein können. Manchmal sind es eben gerade die kleinen Reisen, die den größten und nachhaltigsten Erholungsfaktor haben.

One thought on “Vier Tage. Neunzig Kilometer.

  1. Danke für den tollen Bericht. Ich konnte mich sofort daran erinnern, wie ich vor 1,5 Jahren diesen Weg ab Gerolstein bis Trier gegangen bin, und auch ich hatte die lange Etappe nach Kordel (allerdings nach Übernachtung in Gladbach) im Regen verbracht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.