Laterne mit Kerze im Fenster

Weihnacht, was bist du?

Warum wir wieder lernen sollten, die Welt durch Kinderaugen zu sehen. Besonders zur Weihnachtszeit.

Von vielen Menschen höre ich in diesen Tagen immer denselben Satz: „Unglaublich, dass jetzt schon wieder Weihnachten ist“ oder „Die Adventszeit ist wiedermal viel zu schnell vergangen“. Auch ich habe mich dabei ertappt solche Gedanken zu äußern. Das macht mich fast ein bisschen traurig, wenn ich daran denke wie endlos lang schon der November zu Kinderzeiten war. Der Advent war eine Zeit des endlosen Wartens, der Ungeduld und Vorfreude. Weihnachten, das war einmal so vieles. Und was ist es jetzt?

Weihnachtszeit, das ist für mich Licht. Licht in den Fenstern, das einen in gemütliche Stuben schauen lässt. Lichter in Hecken und Bäumen und zwischen Häuserreihen. Kerzenlichter in all ihren Variationen. Kaminfeuer, Laternen und Teelichter. All diese Lichter lassen das Herz aufblühen. Ich erinnere mich daran, wie wir uns als Kinder gefreut haben, als die ersten Nachbarn endlich die Lichterketten in die Vorgärten hingen. Wie sehr ich mich auf St. Martin gefreut habe, in der Hoffnung Weihnachten sei nun schon ganz nah. Wie mit Schreck die Erkenntnis einrastete, dass nach St. Martin noch der halbe November vor uns liegt. Und als dann endlich Dezember war und das erste Türchen offen stand wollten die Tage einfach nicht vergehen. Ich erinnere mich an unzählige Bastelstunden mit Transparentpapier und Backnachmittage mit zu wenig Teig zum Naschen. Adventsgeschichten und fröhliches Liedersingen in der Schule am Morgen und am Abend zu Hause. Das Beste war immer der Besuch des Weihnachtsmarktes mit der Lebenden Krippe. Die großen durften dort als Hirten verkleidet Flöte spielen. Irgendwann gehörte ich auch dazu – Die Lieder kann ich heute noch spielen. In meinem Kopf sind da viele Nachmittage, die wir mit Thermoskannen und Plätzchen auf Rodelhängen und in den Gärten von Freunden verbrachten. Mit Schneeballschlachten, einstürzenden Iglus, Schneemännern und sehr sehr nassen Füßen. Und dann haben wir Wunschzettel geschrieben. Mit viel Sorgfalt und in schönster Sonntagsschrift. Der Nikolaus hat ihn dann immer mitgenommen und dem Christkind gegeben. Der Heilig Abend wollte dann überhaupt nicht voranschreiten. Meistens war ich schon um 5 Uhr wach und meine Eltern gaben sich alle Mühe uns irgendwie vom Wohnzimmer abzulenken und uns die Zeit zu vertreiben. Als es dann dunkel wurde und Oma uns zur Messe abholte, hatten wir es endlich geschafft. Manchmal spielten wir im Krippenspiel mit, dann gab es wenigstens noch irgendwas zu tun in der Kirche. Zurück daheim spielten wir unseren drei Zuhörern erstmal alle Weihnachtslieder vor, die wir in den letzten Wochen gelernt hatten. Irgendwann verschwand Papa und ganz zufällig klingelte in dieser Zeit ein Glöckchen im Wohnzimmer. Das Christkind war also fertig und wir durften endlich die Tür öffnen. So nahm dann endlich der Abend seinen Lauf. Mit gutem Essen, Kerzen und Tannenbaum, vielen Geschenken und glücklichen Gesichtern.

Mir kommt es glatt so vor, als seien all diese Weihnachtserinnerungen mein eigenes Bilderbuch. Durch Kinderaugen betrachtet ist diese Zeit so schaurig schön, dass man eine Gänsehaut kriegen kann. Bei all dem Erwachsenenkram, den man heute tun muss, habe ich mir doch eines bewahrt: Die alten Geschichten mit Madita, Michel, Pippi und Tomte. Und die Kerzen, Lieder, Lichterketten und Plätzchen. Schade, dass viele die Magie der Weihnachtszeit unterwegs zum Erwachsensein verlieren. Dabei ist das Miteinander, die Gemütlichkeit, das Insichgehen, zur Ruhe kommen und an andere denken, Frieden schließen und aufeinander zugehen ist so wichtig. Weihnachten ist herrlich! Und eigentlich ist es schade, dass nicht ein wenig öfter Weihnachten ist. Und überhaupt, sollten wir nicht endlich anfangen uns ein Stück Unbeschwertheit aus Kindertagen zurückzuerobern?

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